Das Biodiversitätsprojekt von Tierra y Libertad

18. February 2026 | von ilja
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Tierra y Libertad ist sich bewusst, dass es nicht ausreicht, lediglich die Anforderungen des biologischen Landbaus zu erfüllen, um Leben zu erhalten, den Boden zu regenerieren und die Vielfalt von Pflanzen und Wildtieren auf den Feldern zu schützen. Wenn tatsächlich ein Unterschied für die Umwelt erzielt werden soll und wenn Veränderungen von dem Ort ausgehen sollen, an dem man heute steht, dann ist es notwendig, einen Schritt weiterzugehen.

Neben den Anstrengungen, die jede Bäuerin und jeder Bauer auf den eigenen Flächen unternimmt, hat Tierra y Libertad ein gemeinschaftliches Projekt ins Leben gerufen, um die Biodiversität auf den Feldern gezielt zu optimieren. Kollektiv wird in Wildpflanzen investiert sowie in die Installation von Wasserstellen und Nistplätzen, um die natürliche Artenvielfalt der Anbauflächen zu erhöhen.

TyL betreibt nicht nur biologischen Landbau – die Kooperative investiert aktiv in Biodiversität.

In den letzten Jahrzehnten sind landwirtschaftlich genutzte Flächen beinahe ebenso schädlich für das Leben geworden wie Städte und Strassen. Heute zeigen sich in vielen ländlichen Regionen kilometerlange intensive Monokulturen, in denen alle Lebensformen, die nicht unmittelbar der Produktion und Rentabilität der Kulturpflanzen dienen, ignoriert oder sogar systematisch beseitigt werden. Durch das Entfernen aller Wildkräuter (sogenanntes Unkraut), Insekten – ob nützlich oder nicht –, Bakterien und Pilze sowie durch die Verdrängung von Reptilien und Vögeln, ganz zu schweigen vom intensiven Wasserverbrauch, wird ehemals lebendige Natur in eine träge, nahezu leblose Umgebung verwandelt. Übrig bleibt ein Produkt, das anschliessend als Lebensmittel verkauft wird – die Nahrung, die heute von der Mehrheit der Menschen konsumiert wird.

Dies entspricht nicht der Vision von Tierra y Libertad. Ziel sind lebendige, nachhaltige Felder, die weit mehr bieten als die geernteten Früchte: nämlich die Grundlage eines gesunden und stabilen Ökosystems. Durch den Erhalt wilder Pflanzenarten, das Zulassen von Kräutern, Sträuchern und Büschen ohne Herbizideinsatz, die Förderung von Insektenpopulationen sowie das Bereitstellen von Lebensräumen für Nagetiere, Beutegreifer, Vögel, Amphibien und Reptilien wird die Biodiversität der Flächen gezielt erhöht. Eine grössere Vielfalt bedeutet dabei stets auch eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Veränderungen und Störungen. Eine verbesserte Bodenbewirtschaftung trägt zudem dazu bei, mehr CO₂ zu binden und die Erderwärmung leicht zu verlangsamen.

Das Engagement von Tierra y Libertad geht dabei über die Landwirtschaft hinaus. Die Kooperative setzt sich für eine lebenswerte Kulturlandschaft ein – für einen ländlichen Raum, in dem die Menschen, die das Land bewirtschaften, auch leben können. Dazu gehören Dörfer mit Schulen und Gesundheitsversorgung, mit Bars und Läden, Orte, an denen sich Menschen wohlfühlen und sich als Teil ihres ländlichen Umfelds verstehen.

Aus diesem Grund arbeitet Tierra y Libertad mit Fachpersonen zusammen, um gezielte Massnahmen zur aktiven Förderung der Biodiversität umzusetzen.


Installation von Nistkästen, Schlafplätzen und Unterschlüpfen für Vögel und Fledermäuse

zur Schädlingsregulierung und zur Förderung des ökologischen Gleichgewichts

Für die Umsetzung werden jene Arten ausgewählt, die im bestehenden Ökosystem sowie in angrenzenden Naturräumen vorkommen und positive Wechselwirkungen mit den Kulturen haben können. Die Nistkästen werden entsprechend den artspezifischen Bedürfnissen platziert.

Insektenfressende Vogelarten wie Mauersegler, Fliegenschnäpper, Schwalben, Meisen, Blaumeisen und Grasmücken spielen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle fliegender Insekten. Bachstelzen und Rotkehlchen ernähren sich bevorzugt von Raupen, Blattläusen sowie von bodenlebenden Insekten, Larven, Käfern und Fliegen.

Rotkehlchen sind stark territorial geprägt und bevorzugen geschützte, schattige Plätze in ruhigen Bereichen. Für Mauersegler werden Nistkästen an Fassaden oder, falls erforderlich, auf Masten installiert.

Greifvögel wie der Turmfalke regulieren die Populationen von Wühlmäusen und anderen Nagetieren, während die Schleiereule diese Aufgabe vor allem nachts übernimmt.

Turmfalken bevorzugen helle, offene Landschaften wie Felder oder Terrassen, während Schleiereulen geschützte Orte wie alte Gebäude oder das Innere hoher Bäume aufsuchen.

Die Belegung der Nistkästen wird regelmässig kontrolliert, um die Bestände zu erfassen und die Standorte bei Bedarf zu optimieren. Im Herbst werden die Kästen gereinigt, damit sie im Frühling erneut für den Nestbau und die Eiablage bereitstehen.

Teiche für Amphibien sowie Tränken und dauerhafte Wasserzugänge

Es werden wasserdichte Teiche aus Materialien gebaut, die mit aquatischem Leben kompatibel sind. Diese verlängern den Lebenszyklus von Amphibien und bieten gleichzeitig allen Tieren der Umgebung Zugang zu Wasser. Die Vegetation rund um die Teiche wird gezielt gepflegt, und die Standorte werden so gewählt, dass strukturelle Vielfalt entsteht und eine gute Vernetzung mit anderen Naturräumen gewährleistet ist.

Zusätzlich werden bestehende Wasserstellen angepasst oder neue Tränken installiert, um den Zugang für Wildtiere zu erleichtern. Ausstiegshilfen verhindern dabei ein Ertrinken.

Trockensteinmauern und Reptilienverstecke

zur Förderung der Biodiversität an Feldrändern und auf den Betrieben

Trockensteinmauern sind ein traditioneller Bestandteil der Landschaft und bieten zugleich Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Sie dienen als Wärmespeicher und Windschutz. Spinnen jagen an den Mauern, Eidechsen und Schlangen sonnen sich darauf, Fledermäuse und Wildbienen nutzen die Hohlräume als Nistplätze. Kröten und Schnecken finden feuchte Rückzugsorte, Igel und Hummelköniginnen überwintern dort. Auch viele Pflanzenarten gedeihen auf Trockensteinmauern und tragen zur ökologischen Vielfalt bei.


Wiederbegrünung – Pflanzung von Bäumen, Sträuchern und Blühstreifen

mit gestaffelten Blütezeiten

Um die Landschaftsstruktur zu bereichern und die Biodiversität ganzjährig zu erhalten, werden gezielt Pflanzenarten eingesetzt, die Nahrung und Schutz für verschiedene Tierarten bieten. Durch eine gestaffelte Blüte über das Jahr hinweg entsteht eine stabile Nahrungsgrundlage für Insekten, Vögel und Beutegreifer. Dies stärkt das ökologische Gleichgewicht der Kulturen, die sonst lediglich eine kurze Blütephase aufweisen würden.

Bevorzugt werden robuste, regional angepasste Pflanzen wie Rosmarin, Lavendel, Salbei oder Currykraut sowie Zistrosen, Stechginster, Pistaziengewächse und Myrte. Ergänzt werden diese durch Sträucher wie Liguster, Berberitze und Hasel sowie durch Bäume wie Erdbeerbaum, Johannisbrotbaum, Pflaume, Mandel und Lorbeer.

An die Regionen angepasste Konzepte

  • Gemischte Hecken: Kombinationen aus Strauch- und aromatischen Pflanzenarten (z. B. Mastix, Lavendel, Rosmarin).
  • Blühstreifen / Kräutersäume: Entlang von Feldrändern, zwischen bewässerten Flächen oder Wegen.
  • Biodiversitätsinseln: Kleine, nicht bewirtschaftete Flächen mit gestaffelter Blüte und Bäumen unterschiedlicher Höhe, die verschiedenen Vogelarten Lebensraum bieten.

Mit diesen Massnahmen verfolgt Tierra y Libertad das Ziel, das Leben auf den Feldern nachhaltig zu verbessern. Produziert werden sollen gesunde Lebensmittel, die den Reichtum an Lebensformen und die Komplexität der ökologischen Wechselwirkungen widerspiegeln, die auf den landwirtschaftlichen Flächen der Kooperative schrittweise wiederhergestellt werden.


ilja

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