16. April 2026 von Ilja Röthlisberger

Mehr als Pasta: Die Geschichte von Piero Consentino

Dies ist die Geschichte von Piero Consentino, Mitglied der Kooperative Valdibella, der sich entschlossen hat, auf dem Bauernhof seines Grossvaters in Enna auf Sizilien neu anzufangen, um die Artenvielfalt, die Tradition und die Gemeinschaft zu bewahren.

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Wenn nachts auf dem Land in Sizilien die Geräusche leiser werden, beginnt für Piero Consentino etwas Vertrautes. Es ist die Stille, die ihn schon als Kind begleitet hat, wenn er die Winter auf der Farm seines Grossvaters verbrachte, damals während der Aussaat. Heute steht er hier als Produzent mit einer klaren Vision. Die Entscheidung, genau diesen Hof zu übernehmen, war weniger ein strategischer Plan als eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, zu Erinnerungen, Gerüchen und einem Gefühl von Zugehörigkeit.

Ohne konkrete Zukunftsaussichten kam Piero zurück. Nicht, um sofort etwas aufzubauen, sondern um wieder zuzuhören, dem Wind, dem Boden, der Landschaft. Über die Jahre wurde aus dieser Rückkehr ein persönlicher Weg. Die Farm wurde mehr und mehr ein Ausdruck seiner eigenen Vorstellung von Landwirtschaft, Verantwortung und Leben.

Valdibella als Gemeinschaft und Fundament

In einer entscheidenden Phase trat Piero der Kooperative Valdibella bei. Es war ein Moment des Zweifelns, ein Punkt, an dem er entscheiden musste, ob er den nächsten Schritt wagt und seine Arbeit weiterentwickelt. Die Kooperative wurde dabei zu einem stabilen Rückhalt, nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem menschlich. Sie gab ihm die Freiheit, langsam zu wachsen, Fehler zu machen, zu experimentieren und ohne lähmenden Druck zu lernen.

Diese Form von Gemeinschaft ist für Piero essenziell. Offen sprechen zu können, Schwierigkeiten nicht zu verstecken und gemeinsam neue Wege zu planen, sieht er als Voraussetzung für nachhaltige Landwirtschaft und echte Entwicklung.

Aus dem Mehl wird derTeig angemischt und anschliessend Pasta produziert

Vom Feld direkt auf den Tisch

Schon früh entschied sich Piero, ausschliesslich mit alten Getreidesorten zu arbeiten. Besonders der Timilia Weizen, ein traditioneller sizilianischer Hartweizen, überzeugte ihn. Er ist agronomisch sinnvoll, widerstandsfähig und tief in der regionalen Kultur verwurzelt. Doch der Anbau allein reichte nicht aus, um seiner Arbeit auch wirtschaftliche Würde zu geben.

Die Antwort fand er in der Pasta. Timilia Pasta wurde für Piero zur Brücke zwischen Feld und Konsument*in. Eine Möglichkeit, zu zeigen, was draussen auf seinen Äckern geschieht. Nicht theoretisch, sondern essbar. Pasta aus Sizilien, die nicht industriell gedacht ist, sondern ehrlich, nachvollziehbar und direkt aus dem eigenen Getreide entsteht.

Er selbst sagt, er mache nichts Einzigartiges, sondern etwas Echtes. Seine Pasta entsteht so, wie er sie auch für sich selbst herstellen würde. Als Nahrung, der man vertrauen kann, weil man ihren Ursprung kennt.

Landwirtschaft im Einklang mit der Natur

Die Herausforderungen des Klimawandels erlebt er unmittelbar. Ernteausfälle durch Dürre in einem Jahr, extreme Regenfälle im nächsten. Seine Antwort darauf ist kein starres Rezept, sondern Lernen, Beobachten und Anpassen. Etwa durch Agroforstsysteme und Experimente zur Wasserspeicherung im Boden.

Das Weizenfeld aus dem die Pasta stammt

Mehr als Produktion. Rituale, Brot und Begegnung

Was Piero besonders bewegt, ist der Verlust gemeinschaftlicher Rituale auf dem Land. Früher war die Ernte ein soziales Ereignis, getragen von vielen Menschen. Heute ersetzt oft eine einzelne Maschine ganze Gemeinschaften. Deshalb versucht er, genau diese Momente wieder aufleben zu lassen. Zum Beispiel mit einem offenen Dorfofen, an dem Brot gebacken wird und Menschen zusammenkommen.

Diese Einfachheit, sagt er, hat die Kraft, Erinnerungen und Emotionen neu zu entfachen. Sie macht Landwirtschaft wieder lebendig. Nicht nur als Produktion, sondern als Teil des sozialen Lebens.

Piero Consentino auf seinem Hof

Pasta aus Sizilien mit Gesicht und Geschichte

Die Pasta aus Sizilien, die Piero Consentino produziert, trägt all das in sich. Kindheitserinnerungen, Verantwortung für den Boden, den Mut zur Langsamkeit und die Überzeugung, dass gutes Essen immer eine Beziehung zwischen Menschen ist. Wer seine Timilia Pasta isst, bekommt kein anonymes Produkt, sondern einen Einblick in ein Leben, das bewusst im Rhythmus der Natur gestaltet ist.

Und vielleicht ist genau das ihre grösste Stärke. Sie erzählt leise, aber eindringlich die Geschichte eines Menschen, der zurückgekehrt ist, um neu zu beginnen.

Piero verarbeitet die Pasta selbst.

1 Kommentar

  1. Veröffentlicht von Marianne Gottier am 18. April 2026 um 20:28

    Ich möchte Piero zu seinem Mut gratulieren. So zu arbeiten, ist nicht Profit orientiert, jedoch nährt Herz, Seele, Geist und Laib. Auch wir lieben die Timilia Pasta sehr. Sie ist einzigartig, voller Geschmack, so dass wir manchmal sagen, eigentlich braucht es keine Sauce dazu, nur Olivenöl. Unsere Bestellung legen wir jeweils mit deren von unsern beiden Töchtern zusammen- das gibt weniger Umtriebe und Kosten für die Cooperative Valdibella.
    Mein Mann zieht und pflegt selber Tomaten in unserem Garten. Das ergibt viele feine Gläschen Tomatenpüree. Auch unser Brot backe ich immer mit Lievito Madre und mit Mehl von unserer Mühle im Dorf.
    Genau aus diesem Grund schätzen wir das Handwerk von Piero! Danke Piero Consentino und Valdibella!!

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