Wertvolle Hochstammkirschen

16. Juli 2021 | von Benjamin Krähenmann
Bio Hochstamm Kirschen Riedackerhof

Als wir letztes Jahr Christoph Rickenbachs Hochstammkirschen über unseren online-Markt verkauften, erreichten uns nicht wenige Kommentare wie:

Darum haben wir während der diesjährigen Ernte einen kurzen Film gedreht, um aufzuzeigen, wie die Kirschen angebaut werden und wieso sie bei uns rund 18 Franken pro Kilogramm kosten.

Giulia von der Crowd Container Community half bei der Kirschenernte auf dem Riedackerhof von Christoph Rickenbach in Gipf-Oberfrick tatkräftig mit – und fand heraus, wieso es sich lohnt, Hochstammbäume zu Pflegen.

Hochstammkirschen: ökologisch wertvoll …

Kirschen können auf zwei Arten angebaut werden: in Hochstamm- oder in Niederstammanlagen. Hochstammbäume sind Bäume, wie wir sie uns vorstellen: rund zehn Meter hoch, dicke Stämme und eine üppige Krone mit viel Grün. Sie stehen majestätisch auf grünen Wiesen, leben bis zu 100 Jahre und prägen die Landschaft oder gar ganze Regionen, wie das Fricktal.

Auf den Streuwiesen um den Riedackerhof stehen alte und jüngere Hochstammkirschbäume der Sorten «Fricktaler Langstiler» sowie Heidegger und Hedelfinger.

Niederstammbäume wiederum finden sich in kleinräumigen, gedeckten Anlagen. Sie werden nur vier Meter hoch und nach etwa 12 Jahren wieder gefällt. Vor lauter Kirschen lassen sich teilweise gar keine Blätter mehr erkennen.

In einer Niederstammkirschenanlage, wie hier im FiBL in Frick, sind die Seitenwände mit einem Netz geschlossen. Dieses schützt die Früchte vor Schädlingen, das Dach schützt vor Hagel und Regen.

Hochstammbäume sind gegenüber Niederstammanlagen aufgrund dieser Gegebenheiten ökologisch im Vorteil. Sie bieten Vögeln wie der Blaumeise Nistplätze oder dem Siebenschläfer und weiteren kleinen Säugetieren wertvolle Lebensräume. Niederstammkirschen wachsen in geschlossenen, überwachten Anlagen und beherbergen daher nur sehr wenige (Kleinst-)Tiere. Wer Hochstammbäume pflegt und Hochstammkirschen kauft, trägt also zu mehr Biodiversität in der Landwirtschaft bei.

… und sogar günstiger!

So viel vorneweg: Das einleitende Zitat konnten wir ganz einfach widerlegen – 500 Gramm Bio-Niederstammkirschen im Coop kosteten dieses Jahr 9.95 Franken (also 19.90.–/kg). Über Crowd Container sind Christophs Bio-Hochstammkirschen 1.60 Franken pro Kilogramm günstiger. Ausserdem erhält Christoph für seine Kirschen rund zwei Franken mehr als den empfohlenen Produzentenpreis für Bio-Niederstammkirschen. Der Fakt, dass in einer Niederstammanlage rund 4–5 mal so viele Kirschen pro Stunde geerntet werden können (siehe Film), lässt die Niederstammanlage zwar auf den ersten Blick ökonomischer erscheinen. Allerdings sind die Investitionen und das unternehmerische Risiko einer solchen Niederstammanlage nicht zu unterschätzen.

Wir sind der Überzeugung, dass Produzent*innen wie Christoph aus aller Welt für ihre Lebensmittel einen fairen Preis und unsere volle Wertschätzung erhalten sollen – dafür setzen wir von Crowd Container uns ein.

Benjamin Krähenmann

Der Umweltingenieur hält Ausschau nach Projekten mit positivem Impact auf Mensch und Umwelt. Über neue Köstlichkeiten für das Crowd Container Sortiment denkt er am liebsten auf einer Velotour oder beim Brot backen nach.

2 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Cornelia am 21. Juni 2022 um 6:48

    Vielen Dank für diesen tollen und wichtigen Beitrag! Ihr habt sehr eindrücklich aufgezeigt wo die Vor- und Nachteile der jeweiligen Produktionsform liegen. Zu den Preisen: Manchmal dünkt mich, im Grossverteiler werden die Produkte einfach in den Wagen gelegt ohne gross über die Preise nachzudenken. Der Grosseinkauf kostet dann, was er kostet. Wieso sind die Konsumentinnen im Hofladen sensibler?

    • Veröffentlicht von Benjamin Krähenmann am 21. Juni 2022 um 9:36

      Hallo Cornelia, es freut uns, dass du unseren Beitrag schätzt! Danke für deine Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Vielleicht kaufen einige Menschen im Hofladen, in kleineren (Bio-)Läden oder bei uns (unbewusst) mit der Einstellung ein, dass die Produkte eh teurer sind und achten darum mehr auf den Preis? Wir machen jedenfalls die Erfahrung, dass insbesondere bei der Preisthematik eine grosse Offenheit & Transparenz wichtig ist, damit die Leute verstehen, warum ein Produkt wie viel kostet. Darum weisen wir für jedes unserer Produkte aus, wie sich der Preis zusammensetzt und wer in der gesamten Lieferkette wie viel erhält. Liebe Grüsse, Beni

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